Merkur Marke

Mettlacher Markierungssystem

Als wichtigste Handelsmarken (Stempel Verzeichnis / Markenzeichen / V&B Stempel) in dem goldenen Zeitalter der Mettlacher Keramik von 1885 - 1910 kann man die Turmmarke (= Prägemarke) und die Merkurmarke (= Stempelmarke) ansehen. Daneben gibt es auch sogenannte Reliefmarken (aufgesetzte Markensymbole, siehe u.s. Gallieriebilder), die vor 1880 eingesetzt wurden.

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Die Turmmarke symbolisiert den Alten Mettlacher Turm aus dem 11. Jahrhundert. Der Stempel wurde 1883 eingeführt.

Die Merkurmarke zeigt den geflügeten Kopf des Merkurs mit zwei von Schlangen umringten Stäbe über dem Banner Villeroy & Boch. Merkur wird als Gott des Handels bezeichnet. Dieser Stempel wurde 1874 eingeführt.

Beide Marken wurden auf dem Boden (Krug) / Rückseite (Wandteller) entweder eingeprägt (= Prägemarke) oder aufgestempelt (= Stempelmarke). Es ist aber auch nicht ungewöhnlich, hin und wieder einen Krug ohne Stempel zu finden (vor allem die sehr frühen Krüge um 1860) oder einen Wandteller, dessen Merkur Stempel aus Tinte im Laufe der Jahrzehnte nur noch als farbiger Fleck zu erkennen sind. Es sind jedoch Ausnahmen. Letztlich läßt sich aber Mettlacher Keramik in der Regel auch ohne Stempel gut erkennen.

Bei den meisten Umdruck-, Rookwood- und auch einigen Delft- und Fayence-Artikeln wurde neben der Formnummer eine Dekornummer aufgestempelt oder gemalt. Vor der Nummer wurden hin und wieder der Buchstabe "D" oder die Kombibation "DEC" gesetzt, was die Bezeichnung für "Dekor (Englisch Decor)" darstellen soll. Meistens ist es aber eine 3-4 stellige Zahl.

Bei vielen Umdruck-Artikeln wurde eine bestimmte Form eingesetzt, die dann mit unterschiedlichen Motiven dekoriert wurde.

Villeroy & Boch markierte im Gegensatz zu vielen anderen Keramik-Herstellern seine Produkte sehr sorgfältig. So lassen sich bei den meisten Erzeugnissen die Formnummer (Muster- oder auch Seriennummer genannt)  und das Herstellungsjahr sehr gut ablesen. Aber auch Informationen zur Größe, des Dekors (in der Regel bei Umdruck, Delft, Fayence und Rookwood) und eine Qualitätskontrollnummer wurden abgebildet.

In einigen Fällen findet man eine goldene oder schwarze Malernummer, eine Prüfungsmarke (%) und eine P(robe)-Markierung. Besonders die Erzeugnisse mit einem P oder PROBE sind sehr begehrt bei Sammlern, da diese Vorserien-Produkte oft vom Original abweichen (Probe-Brand) und deshalb sehr selten sind.

Wenn der Begriff "Made in Germany" abgebildet ist, so kann man davon ausgehen, dass das Produkt für den Export (in der Regel in die USA) vorgesehen war.

Es gibt eigentlich nur wenige Mettlachartikel, die nicht mit einer Marke versehen sind. In der Regel waren dies Dekorartikel mit einem Herstellungdatum >= 1900 oder Relief-Produkte die (wie bereits erwähnt) um 1860 hergestellt wurden. Ein anderes Beispiel sind Produkte, die vorgefertigt wurden und auf Bestellung dann in der Regel individuell, sozusagen nach dem Geschmack des Kunden, dekoriert wurden.

Ich selbst besitze eine schöne Prunkvase aus dem Zeitraum von 1900-1920, die aus der Serienfertigung von Villeroy & Boch Mettlach stammt und die vom damaligen Leiter der Mettlacher Zeichenschule, Peter Winkel, bemalt und signiert wurde. Die 60cm große Vase (eigentlich eine Amphore) hat keine Herstellermarke bekommen und ist nur über die Signatur des Malers eindeutig dem Mettlacher Unternehmen zuzuordnen.

Auf dem folgenden Bild sind die wichtigsten Symbole kurz erklärt

Turm Symbole

 

Die Formnummer ist entweder 3- oder 4-stellig als arabische Zahl abgebildet und in der Regel auch in den von Villeroy & Boch veröffentlichen Katalogen zu finden.Goldmark

Die Jahreszahl der Herstellung ist im rechten Bereich der Markierungen eingeprägt und ist in der Regel 2-stellig. Lediglich für einen kurzen Zeitraum wurde auch der Monat der 2-stelligen Jahreszahl vorangestellt. Diese Art der Datierung kann man sowohl bei Artikeln mit der Turm- als auch Merkurmarke finden.

Wenn die Dekoration eines Kruges Goldmalerei aufwies, so wurde oft die Nummer des Goldmalers in der Regel in Goldschrift auf den Krugboden geschrieben (siehe Abbildung rechts). Diese Malernummern existieren auch in anderen Schriftfarben.

Meistens wurde als Turmmarke die Version verwendet, die von 1885 - 1930 mit eingeprägtem Banner im Einsatz war. Eigentlich sind es 2 verschiedene Marken, die Turmmarke und das Banner. Die Firma Villeroy & Boch brachte im Laufe der Jahre viele Variationen dieser Turmmarke heraus, welche sich in der Form des Alten Turmes und der Größe des Banners unterscheiden. Es heißt, dass man mit den unterschiedlichen Darstellungen die Arbeiten der einzelnen Töpfer genauer bestimmten wollte, was aber nicht belegt ist. Auch heute ist die Turmmarke noch im Gebrauch, unterscheidet sich aber deutlich von der damals genutzten Form.

Ein besonderes Datierungssystem mit Punkten wurde oft bei den Merkurmarken angewendet. Diese ist etwas kompliziert und bedarf deshalb im folgenden einer genaueren Erläuterung. Von den Merkurmarken sind über 30 Variationen bekannt. Sie wurden von 1874 bis etwa 1909 eingesetzt und befanden sich hauptsächlich auf Produkten mit Umdruck, meist aufgestempelt in den Farben grün (häufig), braun, blau oder schwarz. Oft waren diese Marken nicht von einer Glasur bedeckt, was man dann daran bemerkt, dass diese mit der Zeit sehr unleserlich wurden.

Unter dem sogenannten Rollwerk-Banner mit der Inschrift "Villeroy & Boch" der Merkurmarke befinden sich 2 Halbkreise (es soll auch welche mit 4 Halbkreisen geben), in den der Name "Mettlach" bogenförmig (andere Villeroy & Boch Fabriken haben hier andere Städtenamen stehen) eingetragen ist. Daran schließt sich ein gezagter Halbkreis an, der mit 10-13 Punkten besetzt ist.

Und genau diese Punkte stellen den Code für die Datierung dar, den ich im folgenden näher erläutern möchte:

Merkurmarke ohne Code-Datierung

Wenn eine Merkurmarke mehr als 10 Punkte unter dem gezackten Bogen enthält oder etwas anderes anstelle der Punkte aufgeführt ist (z.B. das Copyright "GESCHÜTZT" oder auch "GESETZTLICH-GESCHÜTZT" und bei den Exportprodukten "Reg. U.S. Pat. Off."), dann codiert die Marke keine Datierung.

Hinweis: Von 1921-1935 wurde unter den Punkten der Merkurmarke in der Regel der Zusatz "Made in Saar-Basin" aufgeührt. Dies trägt dem besonderen Status des "Saargebietes" nach dem 1. Weltkrieg Rechnung, welches von 1920-1935 vom Deutschen Reich abgetrennt war und unter der Hoheit des Völkerbundes (siehe auch Versailler Vertrag Artikel 45-50) stand. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Zusatz wiederum geändert und hieß dann von 1947 - 1956 "Made in France-Saar - Economic Union" bzw. "Frabriqué en Sarre", da das Saargebiet (und damit auch Mettlach) bis zum Saarstatut unter der Verwaltung der französischen Regierung stand.

Merkurmarke mit Code-Datierung

Die folgenden Beschreibungen sollen den Regelfall bei der Anwendung dieser Codierung wiedergeben. Ich kenne aber auch Fälle, in denen eine Zuordnung nicht möglich ist oder sogar die Code-Datierung nicht zu der zusätzlich eingeprägten 2stelligen Jahreszahl paßt. 

  • Datierung ab 1870 bis 1889 mit dem 13-Zackensystem: Bei weniger oder gleich 10 Punkten, aber 13 Auszackungen, sollte man die Anzahl der vorhandenen Punkte zu der Jahreszahl 1870 addieren, um das Produktionsjahr zu erhalten. Wenn einige Auszackungen und Punkte fehlen, dann bedeuten die Punkte 1 bis 9 von rechts gelesen, jeweils die Jahreszahl 1881 - 1889.
  • Datierung ab 1890 bis 1909 mit dem 10-Zackensystem: Wenn beim 10-Zackensystem alle 10 Punkte an den Zacken stehen, meint man damit die Jahre 1890 und 1900 (nicht unterscheidbar). Ansonsten bedeuten in der Regel die Punkte von rechts nach links gelesen, die Jahreszahlen 1891-1899 und von links nach rechts gelesen 1901 bis 1909. Es gibt aber auch Ausnahmen von dieser Regel. Denke mal, dass es einfach nur Anwendungsfehler waren, da diese relativ selten vorkommen. Für 1910 gibt es gar keine kodierte Merkurmarke.

Darstellung von eingestempelten Jahreszahlen

Von 1883 bis 1887 wurden die Jahreszahlen (wenn diese aufgeführt wurden) auf dem Krugboden 2stellig (nur die Jahreszahl) mit einem Rechteck versehen (siehe auch o.s. Abbildung). Ab 1888 fiel dieses Rechteck weg und es wurde nur noch die 2stellige Zahl benutzt. Dabei bedeutet z.B. 95 die Jahreszahl 1895 und 00 die Jahreszahl 1900.

Bestimmung des Entstehungsjahres eines Mettlach-Artikels aus den Formnummer

Wenn Mettlacher Artikel sich gut verkaufen ließen, so hatte man diese in der Regel auch sehr lange (mehrere Jahre) im Produktionsprogramm. Robert D. Wilson aus den USA (auch "the Mettlachman" genannt) hat eine Formel generiert, mit der man ungefähr das Entstehungsjahr eines Mettlach-Artikel bestimmen konnte, d.h. das Jahr, in dem das Produkt zum ersten Mal in der Fabrik produziert wurde.

Formel: F + 1/3F + 65 (wobei F = (Formnummer / 100) ist)

Beispiel:

  • die Formnummer 1200 ergibt --> 12 + 1/3*12 + 65 = 16 + 65 = 81 und damit das Entstehungsjahr 1881
  • die Formnummer 3088 ergibt --> 31 (aufgerundet) + 1/3*30 + 65 = 41 + 65 = 1906

 

Weitere interessante Informationen zur Mettlacher Keramik und Markierungssystem findet man hier (bitte auf Link (gelb) klicken):

1. Mettlach Katalog mit Bildern

2. Mettlach Preiskatalog aus dem 19./Anfang 20. Jahrhundert

3. Villeroy & Boch Steinzeug der Manufaktur Wallerfangen (Vaudrevange) von 1791-1836

  

 

Im folgenden sind beispielhaft einige Marken mit Datierungscode oder eingeprägter Jahreszahl aufgeführt.

 Merkurmarke mit Datierung

 

Weitere genutzte Relief-, Präge- und Stempelmarken (zur Vergrößerung bitte auf das Symbol klicken!)

Quellenangaben:

1. Stein Collectors International: The Essential Mettlach Marks by Walt Vogdes, Seite 1-3

2. Gary Kirsner: The Mettlach Book, fourth edition 2005, Seite 16-27

3. Mettlacher Turm (AusgabeMärz 1986 / Nr. 29): Vereinszeitschrift des Mettlacher Steinzeugsammler Vereins, Artikel: Robert D. Wilson: Mettlacher Objekte datiert mit Jahr und Monat

 

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