Otto Eckmann (1865-1902)

Portrait von Otto Eckmann

Otto (Theodor Heinrich) Eckmann war ein Hauptmeister des Jugendstils und ein Entwerfer von Villeroy & Boch Mettlach Steinzeug-Dekoren. Leider läßt sich ihm aktuell nur ein Mettlacher Steinzeug-Produkt eindeutig zuordnen.

Es handelt sich dabei um eine Kanne (Pitcher) mit der Formnummer #2486, die als Dekor eines der bedeutendsten kunsthandwerklichen Arbeiten des deutschen Jugendstils zeigt, die Fünf Schwäne. Dieses Dekor wurde u.a. in den Jahren 1896-1897 auf einem Wandteppich der Webkunstschule Scherrebeck (Schleswig-Holstein) in einer Auflage von 100 Exemplaren eingesetzt. 

Angelehnt an japanische Holzschnitte nutzt Eckmann ein schmales Hochformat für die Darstellung des Dekors. Die fünf Schwäne läßt er einen Fluss herab schwimmen, wobei Schwäne, Fluss und die Bäume stark stilisiert und ornamenthaft mit dem flächigen Hintergrund verschmolzen sind. 

Für die Firma Villeroy & Boch Mettlach gestaltete er weiterhin einige Keramikkacheln (Jugendstilfliesen).1

Biografie

Otto Eckmann wurde am 19. November 1865 in Hamburg geboren und besuchte Mitte der 1880er Jahre (nach Absolvierung einer kaufmännischen Lehre) die Kunstgewerbeschulen in Hamburg und Nürnberg. Danach ging er nach München und nahm dort ein Studium der Malerei an der Kunstakademie auf, welches er ~1890 erfolgreich beendete.

Trotz seiner Erfolge als Maler (1894 erhielt er z.B. für das 6teilige Gemälde "Die Lebensalter" eine Goldmedaille), widmete er sich ab 1894 ausschließlich nur noch der Grafik und dem Kunsthandwerk. Der Eindruck des endgültigen Abschieds von der Malerei wurde noch dadurch verstärkt, dass er sein gesamtes, malerisches Werk 1894 als seinen "künstlerischen Nachlass" bei Rud. Bangel, Frankfurt, versteigern ließ.

In diesem neuen künstlerischen Lebensabschnitt wurde Eckmann ein Hauptvertreter des (floralen) Jugendstils, der Ende des 19. Jahrhunderts eine wichtige Rolle in der Kunst spielte.

Als Grafiker übernimmt er, stark vom Japanismus beeinflußt, die freie, ornamentale Stilisierung von Tieren und Pflanzen, entwickelt aber auch seine eigene Formensprache.

Ab 1895 arbeitet zudem noch als Illustrator für die monumentalen Zeitschrift "Pan" (1895-1900) und ab 1896 für die Münchner "Jugend" und ab 1897 unterrichtet er als Professor für ornamentale Malerei an der Berliner Kunstgewerbeschule.

Als Maler-Objekte favorisiert er langstielige Pflanzen, schwingende Blumen und anmutige Tiere, vor allem den Schwan.

Aber auch Metallarbeiten, Schmuck, Glasfenster, Lampen, Gestaltung von Buchumschlägen, Tapeten, Wand- und Fußteppiche, Keramik, Erstellung von Warenzeichen (z.B. für die AEG), Möbel und Innendekorationen umfassen sein Lebenswerk.

Erwähnenswert ist auch sein Wirken als Typograf und seine 1899 entwickelte und 1901 veröffentlichte "Eckmann Schrift", die mit ihren geschwungenen Linien und offenen Rundungen dem Formideals des Jugendstils entspricht und zu einer Modeschrift emporstieg.

Am 11. Juni 1902 nimmt sich Otto Eckmann im Alter von 37 Jahren in dem Ort "Badenweiler" (Südschwarzwald) das Leben. Die Hintergründe dieser Tragödie sind mir nicht bekannt.

Jugendstil

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Quellenverzeichnis:

1. Brinckmann, Justus: Der Jugendstil in Hamburg: Zum Gedächtnis ... und Otto Eckmann (1865-1902) ...

2. Kaiser-Wilhelm-Museum: Otto Eckmann (1865-1902). Ein Hauptmeister des Jugendstils, Krefeld 1977

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