Dekor des Kruges #2075 mit Telegraphzeichen und Reichsadler
Alte Mettlach Krüge als Kunstobjekt
 
Die Deutschen und das Biertrinken, 2 Dinge, die irgendwie zusammengehören. Das war damals Ende des 19. Jahrhunderts so und hat sich bewahrt bis in die heutige Zeit. Bierhallen und -gärten waren stets ein Stück unserer Nationalkultur und insbesondere damals nach dem Deutsch-/Französischen Krieg (1871) und der folgenden Gründung des neuen Reiches durch Reichskanzler Otto von Bismarck entwickelten sich die Bierkrüge zu Symbolen des nationalen Stolzes.
 
Kraftprotzende Dekore mit Bildern aus den germanischen Sagen, edle Ritter mit schmucken Rüstungen und die Darstellung lustiger Trinkszenen sollten zum einen die ruhmreiche Vergangenheit aber auch den Sinn für Geselligkeit, Gemütlichkeit und Lebensfreude ausdrücken.
Die Krüge, die damals in Mettlach hergestellt wurden, trafen den damaligen Zeitgeist. Sie waren kleine Luxusartikel, die man mit Stolz in die Regale der Wirtshäuser aber auch auf den Kaminsims einer Raucherzimmers stellte und somit seinen Besitzern einen besonders guten Geschmack bescheinigte. Und wenn man die vielen Emigranten, die damals aus Deutschland nach Amerika ausgewandert sind, betrachtet, die so manchen Mettlach-Bierkrug mitgenommen oder später gekauft haben, so waren es gerade diese Produkte aus Deutschland, die so manchem ein Stück Heimat in der Fremde bewahren ließ.
 
 
Die meisten Mettlacher Krüge wurden recht einfach in der 0,5L Größe hergestellt und dienten insbesondere Studentenverbindungen, Vereinen (man schätzt, dass 1885 fast jeder zweite Mann einem Verein angeschlossen war) und bestimmten Berufsgruppen als Trinkgefäß.
Auch wenn der Preis von ~2,50 Mark angemessen war, so war es doch für die meisten Bürger nicht gerade billig, wenn man bedenkt, dass ein Handwerker damals im Schnitt etwa 30 Mark die Woche verdiente.
Als besondere Geste für Stammkunden platzierten die Besitzer von Kneipen einen Mettlach-Krug gerne auf Regalen, die diese dann beim Besuch mit Bier gefüllt bekamen. So ragte man mit seinem Mettlacher Keramik-Krug zwischen den vielen gewöhnlichen Zinn- und Glaskrügen heraus, was einen mit Stolz erfüllte und dem Wirtshaus die Stammkundschaft bewahrte:-))
Die aufwendiger hergestellten, deutlich teueren Mettlach-Bierkrüge luden durchaus auch zum Gebrauch ein, doch wurden viele wahrscheinlich gar nicht als Trinkgefäß genutzt, sondern als besondere Zierde in ein Wohn- oder Herrenzimmer aufgestellt.
Dies lag mit Sicherheit an den recht hohen Preisen, aber auch daran, dass man sie als "Kunstobjekte" ansah, die man entsprechend gut behandeln wollte. So ist es auch verständlich, dass viele der Bierkrüge ein "Dasein" außerhalb einer hübschen Vitrine oder besonderen, sicheren Aufstellplatz gar nicht kannten. Nur so läßt sich auch der oft fast neuwertige Zustand vieler Objekte heute verstehen. 
Abschließend läßt sich sagen, dass die Dekore / Motive auf einem Mettlach-Krug die damaligen Bemühungen Deutschlands um eine nationale Identität aufgriffen. Es war der Gedanke der Bildung eines Vaterlandes mit einer Sprache und Kultur, der 1870 während des deutsch-französischen Krieges wiederbelebt wurde (nach der demütigenden Niederlage gegen die Armeen Napoleons Anfang des 19. Jahrhunderts). 
Zum einen wurde dabei die Modernität und Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, das Kaisertum und das schlagfertige Heer gelobt, welches sich z.B. in besonderen Krug-Dekoren für Postverkehr, Eisenbahn, Telegrafie als auch dem kaiserlichen und preußischen Adler niederschlug.
Zum anderen wurde die Darstellung von Germanen aus der Antike, Kreuzrittern und Jägern zu Vaterlandsbildern deklariert, deren "Männlichkeit" der politischen Vereinigung souveräner Staaten und freier Städte zu einem Kaiserreich einen besonderen Ausdruck verlieh.
 
Quellenangaben:
 
1. Mettlacher Turm (Ausgabe: Juli 1999, Nr. 77): Vereinszeitschrift des Mettlacher Steinzeugsammler Vereins, Artíkel: Trinken in der Kunst: Mettlacher Krüge und anverwandte Gegenstände, Seite 1-4, Autorin: Dr. Therese Thomas
 post 1856
 
jagdszene 1690
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