Matthias Hein (1859 - 1932)

Matthias Hein (Foto: Privatsammlung der Enkelin)

Matthias Hein (Signatur: M. Hein) gehörte wie Peter Winkel und Jean-Baptiste Stahl zum Mettlacher künstlerischen Stammpersonal in dem goldenen Zeitalter Mettlacher Keramik. Alle drei haben in Mettlach gewohnt und sind (erstaunlicherweise) im gleichen Jahr (1932) verstorben. Was die drei ebenfalls verbindet, ist ihre Tätigkeit in der Mettlacher Zeichenschule, in der Hein im Modellieren und Zeichnen unterrichtete. Dass er erst (nach eigener Aussage) mit 70 Jahren, nach 56 Jahren Tätigkeit bei Villeroy & Boch, in den Ruhehstand trat, zeigt einmal seine große Begeisterung an seinem Beruf, andererseits auch seine starke Verbundenheit mit dem Unternehmen.

Matthias Hein wurde am 05. April 1959 in Saarhölzbach (kleiner Ort an der Saar, in der Nähe von Mettlach) geboren. Seine Eltern waren der Fabrikarbeiter Wilhelm Hein (1827 - 1886) und dessen Ehefrau Maria, geb. Schmitt (1828 - 1904).

Am 08. April 1873 begann er bei Villeroy & Boch Mettlach seine Ausbildung zum Modelleur, davon 2 Jahre in der Abteilung für kunstgewerbliches, feines Steinzeug. Kurz nach seiner Ausbildung unterstützte er die Restauration des Mosaikfussbodens der römischen "Villa Rustica" in Odrang (Kreis Bitburg, Eifel), ein Auftrag den Villeroy & Boch von der damaligen  Regierung in Trier erhalten hatte. Der Einsatz in dieser eigentlich nicht ganz ausbildungskonformen Arbeit läßt darauf schließen, dass das Unterrnehmen talentierte Mitarbeiter aus der Steingut- bzw. Steinzeugproduktion auch für künstlerische Tätigkeiten in der 1869 neu gegründeten Mosaikfabrik einsetzte.

Nach diesem Einsatz in der Mosaikfabrik nahm Hein seine Tätigkeit in der Steinzeugabteilung wieder auf und wurde dem Designer / Modelleur Christian Warth unterstellt, einer der großen Künstler-Namen in Mettlach zu dieser Zeit.

In Mettlach erkannte man auf Führungsebene das Talent von Matthias Hein und so kam es, dass er ab April 1881 mit seinem Kollegen und Maler Jean1418 wandteller Beck (1862 - 1938) die zu Ostern 1881 neu gegründete Keramische Fachschule der Kunst- und Gewerbeschule in München besuchen durfte. Diese bot vor allem Ausbildungsinhalte für Gefäßmaler und Modelleure an. Dieser Schulbesuch von Hein in München konnte lange nicht nachgewiesen werden. Erst die Entdeckung einer durch die Königliche Direktion am 10. Mai 1881 erstellten Liste, die auch die Schülernamen enthielt, war der Name "Matthias Hein" mit Wohnort, Beruf, Alter, Semester und Firma (Villeroy & Boch Mettlach) aufgeführt.

Hein vertiefte an dieser Schule seine Kenntnisse im Freihandzeichen, Technischem Zeichnen und Modellieren. Außerdem belegte er Kurse in Kunstgeschichte, Stillehre, Geometrie und Perspektivlehre.

Nach seiner Rückkehr nach Mettlach heiratete er Juni 1883 die Lehrerin Maria Oberbillig (1857 - 1913), die ihm 5 Kinder schenkte. 1888 zog er dann mit seiner Familie von Saarhölzbach nach Mettlach-Keuchingen und ließ sich dort (zeitlich damit vor Jean-Baptiste Stahl (1895) bzw. Peter Wínkel (1909)) nieder.

1897 baute er dann in Mettlach sein eigenes Wohnhaus mit eigener kleinen Werkstatt, in der er in seiner Freizeit töpferte.

Seine Signatur erscheint bis 1899 auf etwa 74 Mettlacher Produkten, die nach seinen Entwürfen gefertigt wurden. Danach sind nach aktuellem Kenntnisstand keine Objekte mehr von ihm signiert worden. Es war anscheinend zu Beginn des 20. Jahrhunderts nur noch externen Künstlern wie Heinrich Schlitt, Fritz Quidenius, Franz Ringer und Ludwig Hohlwein erlaubt, ihre Objekte zu signieren. Echte Belege für seine Tätigkeit als Steinzeug-Entwerfer werden im neuen Jahrhundert selten. Lediglich die Entwurfszeichnung eines Adlers aus dem Jahr 1912, die wahrscheinlich als Vorlage für den Krug mit der Formnummer #3135 gedient hat, ist bekannt. Andererseits lassen seine Signaturen auf Prototypen mit Laufglasuren und marmorierter Steinzeugmasse nachweisen und vermuten, dass er auch noch in anderen Produktzweigen tätig war.

In den Verkaufskatalogen von 1899 und 1901 werden 12 Vasen mit Laufglasuren, 2 Teller (Formnummer #2658 und #2659) und 10 Vasen aus marmorierter Masse angeboten. Zwei dieser Vasen (Formnummern #2660 und #2699) tragen anstatt der Fabrikmarke die Signatur von Matthias Hein.

Matthias Hein verstarb am 24. Dezember 1932 in Mettlach.

 

Von Matthias Hein exklusiv für Villeroy & Boch Mettlach entworfene Krüge und Wandteller

Bier Krug  / Beer Stein / Kanne    

#1539 (0.25L + 0.5L), #1568, #1570, #1632, #1739, #1740, #1771 (3.0L), #1823, #1983 (0.25L + 0.5L), #1984 (3.4L), #1987,

#1994, #1997, #1999, #2006, #2020, #2036, #2076, #2220, #2232, #2238, #2281, #2824, #2869, #2917

Wandteller / Plaque / Plate         

#1418, #1676, #2507, #2508

 

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ehemaliges Wohnhaus von Matthias Hein in Mettlach

Wohnhaus Hein Mettlach

 

Quellenangaben:

1. Mettlacher Turm (September 2011 / Nr. 107): Vereinszeitschrift des Mettlacher Steinzeugsammler Vereins, Matthias Hein - Ein Saarhölzbacher Modelleur und Entwerfer für Mettlacher Steinzeug, Seite 8-11, Autor: Ester Schneider

2. Stein-Collectors.org: Rare Mettlach Renaissance Red-Stein by Matthias Hein - by Johnsamuel Coleman Februar 2015

3. Stein Marks (www.steinmarks.co.uk): Matthias Hein, using the list of known Mettlach objects from Matthias Hein

 

 

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