Jean-Baptiste Stahl

portrait Jean Baptiste Stahl Mettlach 1924Jean-Baptiste Stahl bzw. Johann Baptist Stahl schuf in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Meisterwerke der Reliefkunst.

Ausgehend von ländlichen Themen und Darstellungen der griechischen Mythologie entwickelten sich seine Arbeiten zu eigenen Schöpfungen des Jugendstils.

Seine weißen, transluzenten Figurenreliefs lassen den grünlichen oder blauen Porzellanhintergrund durchscheinen. Um die dreidimensionale Illusion zu verstärken, modelliert er diese Transparenz und erreicht hierdurch malerische Tiefenwirkung. Dunklere Bereiche des Reliefbildes erwecken den Eindruck von Schatten und eines in die Tiefe gehenden Hintergrunds. Andere Bereiche des Reliefs erscheinen in einem strahlendem Weiß, als ob die Szene von einem Licht beleuchtet wird.

Diese einzigartige Verschmelzung von plastischem Reliefbild und malerisch durchscheinendem Hintergrundbild erhielt die Bezeichnung "Phanolith" (= durchscheinender Stein).

Johann-Baptiste Stahl gehörte im sog. Goldenen Zeitalter von Villeroy & Boch zu einer der herausragenden Künstlerpersönlichkeiten dieser Firma. 2x pro Woche unterrichtete er Schüler in der werkseigenen Zeichenschule (geleitet von seinem Arbeitskollegen und guten Freund Peter Winkel) im Modellieren und gab so sein Wissen an die nachfolgende Künstler-Generation weiter.

Die Ausstellung seiner Arbeiten auf der Weltausstellung 1900 in Paris war eine besondere Ausszeichnung für diesen Künstler und für Villeroy & Boch ein großer Erfolg.

Trotz seiner Bedeutung als Künstler in der damaligen Glanzzeit der Mettlach Keramikerzeugung, ist Jean-Baptiste Stahl in keinem Künstlerlexikon zu finden. Weil ich das nicht glauben konnte und mir selbst ein Bild davon machen wollte, habe ich mir das Allgemeine Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart von "Thieme / Becker & Vollmer auf DVD gekauft (aktuelle Version 2010). Es soll immer noch das lexikografische Standardwerk der Kunsthistoriker (Zitat aus "Der Tagesspiegel") und das international bedeutendste biografische Lexikon der bildenden Künstler sein. Und, es ist wirklich wahr, der Künstler wird mit keinem einzigen Wort in diesem Lexikon erwähnt. Für mich eigentlich nicht nachvollziehbar und ein Manko, mit dem schnellstmöglich aufgeräumt werden müßte.

Vielleicht kann meine Webseite zumindest etwas dazu beitragen, dass der Künstler Jean-Baptiste Stahl die Würdigung für sein Lebenswerk erfährt, die er auch verdient.

pate sur pate

Folgende Mettlach Produkte werden dem Künstler zugeschrieben. Die folgende Liste von Formnummern erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wird in Zukunft mit Sicherheit noch ergänzt / korrigiert werden. 

Krug / Bierkrug / Beer Stein 

#2194, #2243, #2244, #2245, #2246, #2247, #2248, #2249, #2250, #2251, #2278, #2358, #2359, 2363, #2479, #2480, #2530, #2547,  #2556, #2557,  #2606, #2627, #2628, #2652, #2714, #2715, #2753, #2754, #2755, #2756, #2836, #2931, #2943, #2945, #2949, #2950, #2951, 3034, #3035, #3070, #3071, #3072, #3178, #3435, #3507

Kanne               

#2219, 2284, #2355, #2356, #2357, #2364, #2478, #2607, #2631, #2634, #2686, #2688, #2757, #2761, #2762, #2773, #2835, #2930, #3024, #3025, #3194

Vase           

#2202, #2431, #2432, #2446, #2447, #2451, #2461, #3006, #3040, #3106, #3264, #3266, #3268, #3270, #3283, #7002, #7003, #7004, #7007, #7008, #7009, #7010, #7011, #7018, #7019, #7020, #7021, #7057, #7058

Blumentopf / Flower Pot / Jardiniere 

#3007, #3041, #3265, 3267, #3269, #7000, #7001, #7015, #7027, #7029, #7035, #7016 + #7017 (Blumentopf auf Podest)

Becher / Beaker      

#2360, #2389, #2390, #2452, #2781, #2815, #2816

Bowle / Bowl          

#2602, #2806, #2890, #2969, #3149, #3478, #3479, #3515

Pokal        

#2385, #2418, #2522, #2523

Wandteller / Plaque / Plate

#2442, #2443, #2444, #2445, #2794, #2795, #2874, #2875, #2970, #2971, #3038, #3039, #3112, #3113, #3272, #3273, #3274, #3275, #7013, #7014, #7025, #7026, #7030, #7031, #7032, #7033, #7036, #7037, #7040, #7041, #7042, #7043, #7044, #7045, #7046, #7047, #7048, #7049, #7050, #7051, #7052, #7053, #7054, #7055, #7056, #7059, #7060, #7061, #7062, #7065, #7066, #7067, #7068, #7069, #7070, #7071, #7072, #7073, #7074, #7075, #7076, #7077, #7078, #7079, #7080, #7081, #7082, #7083, #7084, #7085, #7089

Sonstiges:        

#2307, #2449, #2601, #2696, #2873, #3507, #7005, #7006, #7012, #7023, #7024, #7028 (Behälter mit Deckel), #7034 (Uhr), #7106 (Nadelbox), #7107 (Nadelbox)

 

Weltsausstellung Paris 1900

Weltausstellung 1900 in Paris. Das Highligth auf dem Villeroy & Boch Stand war die Erfindung des Phanoliths. Besonders bemerkenswert sind die beiden großen Wandplatten im Hintergrund des Bildes. Jede von ihnen hatte eine gigantische Größe von 220 cm x 60 cm. Leider ist bis heute nicht bekannt, wo diese Wandplatten nach der Ausstellung verblieben sind.

Quellenangaben:

1. Prof. Branko Stahl: www.kuuunst.de, Ur-Enkel von Jean-Baptiste Stahl, Heppenheim

2. Mettlacher Turm (April 2013, Nr. 109), Vereinszeitschrift des Mettlacher Steinzeugsammler Vereins, Artikel: Jean (Johann) Baptist Stahl, Seite 6-15, Autor: Horst Barbian

3. Ceramics Technical, Nr. 35, 2012, Seite 102-106, Artikel: Jean Baptiste Stahl by Branko Stahl

4. Mettlacher Turm (April 2000, Nr. 79), Vereinszeitschrift des Mettlacher Steinzeugsammler Vereins, Artikel: Dr. Therese Thomas - Johann Baptist Stahl: ein Künstler bekommt Gesicht

 

Etappen des Lebens von Jean-Baptiste Stahl

Jean-Baptiste Stahl wurde am 20.06.1869 in Oberbetschdorf geboren. Es handelt sich um eine etwa 4000 Seelen zählende Gemeinde im elsässischen Département "Bas-Rhin" in der Region "Grand Est" in Frankreich. Seine Eltern waren Louis Stahl und Marie Anne Braun und er war das 5. von insgesamt 12 Kindern.

Die "Keramikmetropole" Betschdorf ist bis heute bekannt durch seine Keramiktöpfer und bereits 1717 ließ sich dort der erste Töpfer (Familienname Spitz) nieder. Zu Hochzeiten lebten hier 36 Töpferfamilien, die mit dieser Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienten.

So ist es nicht verwunderlich, dass auch die Familie Stahl in Betschdorf diesem Handwerk nachging. Der Vater von Jean-BaptisteNachweis Aufenthalt Strassburg Stahl war ebenfalls Töpfer und so kam er bereits von klein auf mit dem Werkstoff "Ton" in Berührung. Ideale Voraussetzungen also, um zu einem späteren Meister des Modellierens aufsteigen zu können, wobei jedoch seine außergewöhnliche handwerkliche und künstlerische Begabung ein weiterer wesentlicher Aspekt dafür gewesen ist.

Bereits im Alter von 17 Jahren besuchte er erfolgreich die keramische Fachschule in Grenzhausen-Höhr (im Westerwald), wo er sich im Modellieren, Zeichnen und Stil- / Farbenlehre ausbilden ließ.

Was er nach seiner Ausbildung an der Fachschule bis zu seiner späteren Tätigkeit für Villeroy & Boch machte, ist nicht eindeutig belegbar. Es gibt aber Hinweise in seinem persönlichen Notizblock, dass er sich eine gewisse Zeitlang in Strassburg aufgehalten haben muß (Siehe Abbildung rechts).

Am 1. April 1895 begann er schließlich mit seiner Tätigkeit als Modelleur für das Unternehmen "Villeroy & Boch" in Mettlach. Seine Arbeit dort war mit großen Erfolgen und Aufstieg gekrönt, insbesondere die Vorstellung seine Phanolith-Arbeiten auf der Pariser Weltausstellung im Jahre 1900 auf dem Messestand der Firma. Im April 1920 wurde er für 25 Jahre treue Dienste für das Unternehmen geehrt.

Mit seiner Frau Barbara Angelika Bausch, die er am 21. Spetember 1896 heratete, hatte er insgesamt 5 gemeinsame Kinder, wobei eine Tochter als Kleinkind verstarb. Sein ältester Sohn Hans erlernte ebenfalls das Handwerk als Modelleur und war ab 1913 in derKeuchingen Haus Keuchingen Reliefplatten Mettlacher Steingutfabrik beschäftigt.

In Keuchingen (gegenüber dem Unternehmen Villeroy & Boch, auf der anderen Saarseite) baute er 1909 in der Saareckstrasse 13 ein Wohnhaus, was heute noch existiert. Sehenswert sind die von ihm selbst entworfenen und signierten Reliefplatten an der Hausfassade.

Am 31. Januar 1932 verstarb Jean-Baptiste Stahl in seinem Wohnhaus ganz plötzlich im Alter von 62 Jahren, gerade mal einige Monate in Rente, im Beisein seiner Familie.

KLEINE ANEKDOTE:

Haus der GrosselternBei der Recherche nach Vorfahren von Jean-Baptiste Stahl hatte ich mich im Frühjahr 2017 gemeinsam mit meiner Frau nach (Ober-) Betschdorf aufgemacht. Ziel war es das Großeltern- und Elternhaus des Künstlers zu finden, die immer noch existieren sollen.

Vom Haus der Großeltern hatten wir ein Bild und die Hausnummer (rue de Potiers 35). Dieses war relativ schnell gefunden. Das Gebäude war in einem für das Alter guten Zustand. Deutlich konnte man die Tafel an der Front mit den Inschrift "DAS HAUS BAUT FRANZ STAHL UND MARIA ANNA BASCHING ANNO 1829" erkennnen. Das Haus war anscheinend nicht bewohnt, zumindest konnte ich keinen Briefkasten oder Namenschild finden.

Vom Elternhaus hatten wir lediglich ein Bild und trotz intensiver Suche kein Haus entdecken können, was dem Objekt auf dem Bild auch nur annähernd entsprach. So versuchten wir durch Befragen von Bewohnern des Ortes einen Hinweis zu bekommen. Erstaunlicherweise war keinem der Befragten (einige hatte das Rentenalter schon lange erreicht) die Familie Stahl geschweige denn dessen Wohnhäuser bekannt. Nach etwa 2 Stunden und einem langem Fußweg quer durch den Ort hatten wir die Hoffnung bereits aufgegeben und gaben uns mit der Vermutung zufrieden, dass das Haus wahrscheinlich abgerissen wurde oder durch Modernisierungen nicht mehr zu erkennen war. Einem Hinweis von einem Passanten im Ort wollten wir doch noch nachgehen. Dieser schlug uns vor, dass wir uns an das "Musee de la Poterie de Betschdorf" wenden sollten. Dort hätte vor einiger Zeit mal eine Ausstellung von den Arbeiten des Jean-Baptiste Stahl stattgefunden. Also begaben wir uns in die "Rue de Kuhlendorf Nr. 2", wo das Museum in einem schönen, alten Fachwerkhaus untergebracht war.

An der Kasse am Eingang wurden wir sehr freundlich von einer Dame begrüßt und ich versuchte mit meinen wenigen Französischkenntnissen, unser Anliegen verständlich zu machen. Leider konnte Sie selbst nichts zu dem Elternhaus von Jean-Baptiste Stahl sagen, da Sie erst seit kurzem in dem Museum arbeitet, aber Sie würde mich gerne mit einer Frau bekannt machen, die sich seit Jahren um das Museum kümmert. Sie nahm sogleich den Telefonhörer in der Hand und ich hörte wie Sie auf französisch mit jemanden sprach. Dann legte Sie wieder auf und sagte, dass in etwa 15 Minuten eine Frau Wolffer vorbeikommt und unsere Fragen beantworten wird. Es dauerte nicht einmal 15 Minuten und Frau Wollfer (Vorname: Astrid) und ihr Mann Jean-Claude öffneten die Eingangstür zum Museum. Wir begrüßten uns herzlich und begannen dann gemeinsam im vorliegenden Kartenmaterial über Betschdorf das Elternhaus von Jean-Baptiste Stahl in Betschdorf (was Frau Wolffer selbst auch nicht kannte) ausfindig zu machen.

Leider hatten wir kein Glück. Frau Wolffer gab aber noch den Hinweis, dass wir in der "Rue de la Poterie" mal nachschauen sollten. Wir tauschten dann noch die eMail-Adressen aus und meine Frau und ich begaben uns dann zu Fuß (etwa 20 Minuten vom Museum entfernt) in die "Rue de la Poterie". Dort angekommen gingen wir die Strasse ein paar Mal rauf und runter, aber kein Haus glich auch nur annähernd dem auf dem Bild, das wir zum Vergleich dabei hatten. Also versuchte ich es ein letztes Mal mit der Befragung von Dorfbewohnern, die in dieser Strasse wohnten. Aber auch dies half nicht, niemand (auch nicht die älteren Personen) kannten das Haus auf dem Bild.Haus der Eltern Betschdorf

Enttäuscht, mit dem Gefühl einen ganzen Nachmittag vergeudet zu haben, begaben wir uns auf den Rückweg zu unserem Auto, um nach Hause zu fahren. Dieses stand nur etwa 50 Meter von der "Rue de la Poterie" entfernt, in der "Vielle Rue" (früher auch Dorfstrasse genannt). Als wir dann gemeinsam im Wagen saßen und einen letzten Blick auf die umgebenden Fachwerkhäuser warfen, fiel uns ein Haus auf, das am Giebel zur Strasse hin mit 2 neuen Vordächern versehen war. Ich sagte meiner Frau, Sie solle das Foto des Elternhauses mal vorholen und wir hielten das Foto vor uns und schauten abwechselnd auf das Haus und auf das Foto. Meine Frau verglich das Balkenmuster und ich schaute mir die Dachkonstruktion mit Fenstern und Schornsteinen an.

HEUREKA, das war das Haus, unverkennbar, nur mit den neuen Vordächern schwer zu erkennen.

Es befand sich die ganze Zeit schräg gegenüber unserem Parkplatz an der Strasse, nicht einmal 20 Meter entfernt, in der "Vielle Rue Nr. 12".

Damit war unser Ausflug nach Betschdorf im Elsaß doch noch von einem vollen Erfolg gekrönt.

Die wichtigsten Daten zusammengefaßt:

  lebenslauf JBS

Signaturen von Jean-Baptiste Stahl

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Vom Entwurf zum Objekt

Von einigen Bleistift- und Tuschezeichnungen von Jean-Baptist Stahl lassen sich heute bekannte konkrete Objekte ableiten.

Das hier gezeigte Bildmaterial gehört den Nachkommen der Familie von Jean-Baptiste Stahl und sind urheberrechtlich geschützt. Es darf ohne die explizite Genehmigung der Eigentümer nicht verwendet bzw. verbreitet werden.Die Quellen des hier gezeigten Bildmaterials stammen vom Ur-Enkel des Künstler, Prof. Banko Stahl (www.kuuunst.de).

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von Kamee zum Phanolith

Kamee to Phanolith GroupEin großes Problem für den Künstler Jean-Baptiste Stahl bei seinen Reliefarbeiten war das mangelnde Hervortreten von Details. Was nützte die feine Ausarbeitung der Modelle, wenn nach dem Brand der Artikel diese nicht mehr zu erkennen waren.

So arbeitete er lange Zeit unermüdlich daran, die benutzte Masse für seine Modelle zu verbessern. Etwa Mitte 1898 konnte dann eine porzellanähnliche Substanz hergestellt werden, die seine Anforderungen erfüllte.

Mit dieser neuen Masse war es möglich, sehr dünne Auflagen für seine Objekte zu erstellen, die auf einem farbigen Hintergrund eine bisher unerreichte Tiefenwirkung zuließen. Ein komplexes Spiel zwischen Licht und Schatten konnte nun durch die unterschiedliche Dicken der Reliefauflagen realisiert werden. Jean-Baptiste Stahl perfektionierte dieses Verfahren und es war die Basis für seinen späteren beruflichen Erfolg.

Die linke Bildreihe dieser Seite zeigt die Entwicklung vom Reliefdekor über Kamee hin zum Phanolith.

Die ersten Krüge, die man in Mettlach herstellte, wurden im Basreliefstil, allgemein "Relief", modelliert. Das Dekor bestand meist aus braunen und grünen Blättern und Ranken (siehe Bild 1) auf hellbraunen oder braunen Hintergrund.

Im Laufe der Zeit (etwa ab 1880) änderten sich die Motive und man fing an auf mehr dekortaive Reliefdarstellungen z.B. Figuren (siehe Bild 2) um zu schwenken. Die Reliefs selber wurden filigraner ausgearbeitet und die Massen bereits deutlich dünner aufgetragen.

Der Übergang zu Kamee-Produkten, dessen Motive im Vergleich zu Reliefgegenständen nicht so weit vom Korpus hervorragten, war eingeleitet (siehe Bild 3).

Bei Kameen wird bereits ein mehr transluzentes, porzellanähnliches Material eingesetzt, das es erlaubte, die Schattierungen der Grundfarben in besonders dünn aufgetragenen Bereichen des Reliefs durchscheinen zu lassen.

Bei der ländlichen Szene auf Bild 4 versuchte Jean-Baptiste Stahl bereits eine gewisse Dreidimensionalität darzustellen. Aufgrund des dunkleren Farbtons erscheinen z.B  - der Hund, der tote Hase und der Arm der Person mit der Stange -  im Hintergrund. Der Hund ist so detailliert dargestellt, dass man die Rasse durchaus bestimmen könnte. Am Nacken der abgebildten Frau wurde die Transprarenz dazu genutzt, Schatten darzustellen.

Die Ungezwungenheit bzw. Ruhe, in der die 3 Personen interagieren, ist bemerkenswert und erinnert an die Ruhe beim Zeichnen von Jean-Baptiste Stahl. Die ganze Szene wirkt sehr vertraulich, wobei die dargestellte Kleidung das Ganze in einen historischen Kontext bringt.

Bild 5 zeigt das Wirken des Künstlers in seiner Vollendung (rechteckige Bildszene aus dem "fliegenden Holländer" mit der Formnummer #7046). Es ist nochmals eine deutliche Erhöhung der Transluzens der Motive durch die Verbesserung der prozellanartigen Masse, welches in Mettlach mit dem Namen “Phanolith“ bezeichnet wurde, erkennbar. Jetzt waren echte dreidimensionale Eindrücke möglich und man hatte das Gefühl, dass das Licht von einem bestimmten Punkt aus auf die dargestellte Szene scheint. Wie ein Maler nutze Jean-Baptiste Stahl die Farbgestaltung der weißen Porzellanmasse, um Licht, Schatten, Tiefe und Plastizität auszudrücken.

Alle Formnummern, die mit der Zahl #7xxx beginnen, sind als echte Phanolith-Produkte anzusehen und stellen auch den Höhepunkt der Entwicklung dieser Verfahrentechnik dar. Phanolith-Modelle waren damals etwa doppelt so teuer wie kameeartige Objekte (mit Formnummern #2xxx bzw. #3xxx). Auf der Pariser Weltausstellung im Jahre 1900 waren die Phanolith-Waren von Jean-Baptiste Stahl das Highlight der Präsentation auf dem Villeroy und Boch Messestand.

 

Die folgenden drei Teller-Dekore mit identischem Motiv (2x Formnummer #2443 und 1x Formnummer #7014) zeigen noch einmal sehr deutlich die Unterschiede zwischen Relief,  Kamee und Phanolith.

 relief

 

kamee

phanolith 7014

Entwürfe von Jean-Baptiste Stahl

Präzise Bleistift- und Tuschezeichnungen dienten Johann Baptist Stahl als Vorbereitung zu seinen Porzellanarbeiten.

Von einigen seiner Objekte existieren kolorierte Werkstattzeichnungen. Sie wurden Ende des zweiten Weltkrieges von seinem Enkel Erich Stahl (* 24. März 1931) aus dem Schutt des Farbrikgebäudes von Villeroy & Boch Mettlach gesichert.

Das hier gezeigte Bildmaterial gehört den Nachkommen der Familie von Jean-Baptiste Stahl und sind urheberrechtlich geschützt. Es darf ohne die explizite Genehmigung der Eigentümer nicht verwendet bzw. verbreitet werden. 

Zur Bildervergrößerung einfach mit der Maus auf das jeweilige Objekt klicken.

 

Musee de la Poterie in Betschdorf

Das Museum für Töpferkunst in Betschdorf veranstaltete im Sommer 2015 eine Ausstellung zu Ehren von Jean-Baptiste Stahl, in der man sich ein Bild über sein Leben und seine künstlerischen Werke machen konnte.

Auch heute sind noch viele seiner Werke im Museum in einer Vitrine ausgestellt und können bestaunt werden.

Adresse, Öffnungszeiten, Telefonnummer und eMail-Adresse findet man auf folgendem Plakat zur Exposition, das mir von den Betreuern des Museums (Astrid und Jean-Claude Wolffer) zur Verfügung gestellt wurde.

Astrid und Jean-Claude haben damals gemeinsam mit Christian Stahl (Nachfahre von Jean-Baptiste) die Veranstaltung organisiert und sind auch heute noch sehr engagiert, ihren berühmten "Betschdorfer Sohn" ein Denkmal im Museum zu setzen.

 

Musee de la poterie

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